Es gab eine Phase, in der ich bei jedem Lauf auf die Uhr starrte. Pace, Kilometer, Durchschnittsgeschwindigkeit — Zahlen bestimmten mein Laufgefühl. Wenn die Pace schlechter war als beim letzten Mal, war der ganze Lauf „schlecht“. Irgendwann merkte ich: So macht das keinen Spaß.

Der Wendepunkt: Ein Lauf ohne Uhr

An einem Sonntagmorgen ließ ich bewusst die Smartwatch zu Hause. Ich lief einfach los — ohne Ziel, ohne Zeit, ohne Route. Nur ich und meine Beine. Und es war der schönste Lauf seit Monaten.

„Der beste Lauf ist nicht der schnellste — es ist der, bei dem du am Ende lächelst.“

Plötzlich bemerkte ich Dinge, die ich seit Wochen übersehen hatte: den Geruch von nassem Laub, das Licht zwischen den Bäumen, den Rhythmus meiner eigenen Atmung. Laufen wurde von einer Leistungsübung zu einem Erlebnis.

Warum Tempo-Fokus kontraproduktiv sein kann

In meiner Erfahrung führt übermäßiger Fokus auf Geschwindigkeit bei Hobbyläufern häufig zu Frustration. Man vergleicht sich mit anderen, mit Apps, mit der Person, die man gestern war. Das kann den Spaß an Bewegung nehmen und zu einer ungesunden Einstellung führen.

💚 Experiment für dich

Lauf eine Woche lang ohne GPS-Uhr. Kein Tracking, keine App, kein Vergleich. Achte stattdessen auf: Wie fühlst du dich? Was siehst, hörst, riechst du? Danach entscheide, wie du weitermachen möchtest.

Wie ich heute laufe

Mein Ansatz hat sich grundlegend verändert. Dreimal pro Woche gehe ich laufen. Manchmal schnell, manchmal langsam, manchmal laufe ich nur 15 Minuten. Das Entscheidende: Es fühlt sich nie wie Pflicht an.

Meine drei Grundregeln

Erstens: Kein Lauf muss länger als 20 Minuten sein. Zweitens: Wenn ich keine Lust habe, gehe ich spazieren statt zu laufen. Drittens: Ich vergleiche mich nur mit meinem gestrigen Wohlbefinden, nicht mit meiner gestrigen Pace.

Was die Sportpsychologie allgemein nahelegt

Laut verschiedenen Sportpsychologen kann intrinsische Motivation — also Freude an der Aktivität selbst — die langfristige Ausdauer und das allgemeine Wohlbefinden stärker fördern als extrinsische Ziele wie Zeiten oder Distanzen. Das deckt sich mit meiner persönlichen Erfahrung.

Laufen ist für mich keine Leistung mehr. Es ist ein Geschenk, das ich mir selbst mache. Und das wünsche ich dir auch.

— Anna Bergwald, irgendwo auf einem Salzburger Waldweg